Als ich Farah heute aus dem Stall holen wollte, kam sie mir nicht wiesonst strahlend entgegen, sondern stand bloß am Zaun und döste.
Farah ruht sich heute lieber aus!
Verwundert ging ich zu ihr und halfterte sie auf, doch selbst am Strick wollte sie nicht wirklich laufen. Sie stolperte nicht sonderlich elegant und ungewohnt langsam nach draußen. Angelika kam und fand ebenfalls, dass da irgendetwas nicht stimmen konnte, also fragten wir die Hufschmiedin um Rat. Diese prüfte, ob Farah Schmerzen in den Hufen hatte, was auf ein Hufgeschwür hindeuten könnte. Farah stand aber völlig regungslos, während ihr Huf abgetastet wurde.Also durfte Farah wieder in den Stall und sich ausruhen. Wir wollen mal abwarten, ob sich ihr Zustand verbessert!
Kaum hatten meine Hufe den sicheren Stall hinter sich gelassen und sich ordnungsgemäß auf den Hof gestellt, da hörten meine Ohren großen Lärm! Ich drehte sie ein paarmal im Kreis, dann hatte ich die Gefahr geortet! Von hinten kam sie auf mich zu! Brummend und ratternd! Nach kurzer Absprache mit Annabelle drehte ich mich um und sah dem Ungeheuer ins Gesicht! Ein gewaltiger Trecker tuckerte auf mich zu!
Erschrocken wich ich einige Schritte zurück und sah mich hektisch nach einer Fluchtmöglichkeit um!
„Ganz ruhig, Farah! Das ist doch nur Alfred mit dem Trecker! Den kennst du doch!“, erklärte Annabelle ruhig. Ich sah sie mit gehetztem Blick an. Wie konnte sie Angesicht in Angesicht mit so einem gigantischen Monster ruhig bleiben?! Näher und näher kam der Trecker, schließlich blieb er ruckelnd neben mir stehen. Alfred streckte die Hand aus! Auf der Hand ein Leckerchen!
Uiuiui! Ganz schön groß so ein Treckerreifen!!
Sollte ich jetzt tatsächlich… Nein, das war doch viel zu gefährlich! Was, wenn das große Ding sich umdrehte und mich mit Haut und Haaren verspeiste?! Aber ein Leckerchen… war auch etwas feines… Hin und hergerissen streckte ich nur vorsichtig die Nase nach vorne.
Todesmutig ging Annabelle auf den Monstertrecker zu und stellte sich neben den großen Reifen! Alfred gab ihr das Leckerchen und sie streckte es mir entgegen! Na, wenn Annabelle sich das traut, kann ich das schon lange! Vorsichtig ging ich auf den Trecker und das versprochene Leckerchen zu!
„Sehr gut Farah! Komm her!“, lobte Annabelle mich und hielt das Leckerchen noch ein bisschen näher an den bebenden Reifen. Ich konnte den Geruch von warmem Gummi spüren, als ich endlich das versprochene Leckerchen zu fassen bekam und genüsslich knusperte! Annabelle und Alfred lobten mich ganz ganz doll, dann trat ich stolz wieder einen Schritt zurück und Alfred fuhr mit dem Trecker weiter!
Doch nicht nur bei uns auf dem Hof lauern diese wundersamen Wesen!
Ehrlich?! An diesem Monstertrecker soll ich mich vorbeischleichen?!
Kurz darauf ritten wir endlich los und es kam wie es kommen musste. Auf dem Weg begegnete uns ein Trecker, der gerne den gleichen Weg benutzen wollte wie wir! Ich ging ganz nah am Rand, während das Monstrum sich zischend an mir vorbeischob! „Annabelle? Sollen wir nicht doch lieber fliehen? Der Trecker kommt so nahe!! Er ist bestimmt nicht so brav wie Alfreds Trecker!!“
„Keine Sorge, Farah! Wir gehen einfach weiter, dann passiert uns schon nichts!“, erklärte sie überzeugt. Das rote Ding zischte, erschrocken sprang ich in den Wald, ging dann aber vorsichtig weiter. Schließlich hatten wir den Trecker unbeschadet hinter uns gelassen! Erleichtert konnte ich mich nun endlich auf die erste Galoppstrecke und ein paar Happen Frühlingsgras freuen!!
Farah hatte in den Osterferien viel Spaß!! Im Gegensatz zu den Schulkindern, die sich über ein paar Tage Reiterferien freuten, musste Farah zwar arbeiten, doch tat sie dies mit größtem Vergnügen. In der zweiten Hälfte der ersten Ferienwoche, bei allerschönstem Aprilwetter, war es so weit. Elf Kinder wollten reiten und alle bitte in der ersten Runde, denn alleine in der zweiten Runde durch den Regen zu reiten ist nicht besonders schön. Eine Lösung musste her, groß, braun und gutmütig. Farah! Kristina übernahm die ehrenvolle Aufgabe und ritt auf Farah mit.
In der zweiten Woche mit noch viel mehr Kindern war Farah dann schon gar nicht mehr wegzudenken. Jeder wollte in der Führrunde auf Farah reiten und das große Pony stand strahlend am Anbindebalken wann immer es mitdurfte. Dadurch, dass Farah so gut ausgelastet war, war sie super brav und entspannt und zauberte den Reitkindern reihenweise ein begeistertes Grinsen aufs Gesicht.
Na du kleiner Reiter? Komm her! Wir wollen los!!!
Seitdem möchte Farah unbedingt jeden Tag mitgehen. Ein Wunsch, den Angelika, Kristina, Antonia und ich ihr so gut es geht zu erfüllen versuchen. Dadurch, dass sie so hervoragend hört und die Anweisungen die die Reiter ihr geben auch befolgt, können wir sie in Ausnahmefällen sogar für kleine Alleinreiter einsetzten.
Manni hat wieder mal nur Flausen im Kopf!
So zum Beispiel am Dienstag, als Manni mit meiner kleinen Schwester stieg und buckelte weil er ans Gras wollte. Sie bekam Angst und wollte nicht mehr reiten, woraufhin wir vor der dritten Galoppstrecke Ponys getauscht haben. Sie bekam das Pad auf Farah geschnallt und sollte einfach hinter Angelika mit zwei Führponys bleiben, die auf der Galoppstrecke Schritt gehen wollten.
Das hat auch super geklappt, Farah war ganz lieb und trottete einfach gemütlich hinter Billy und Felix her. Auch auf der letzten Galoppstrecke hinter Manni herzugehen funktionierte problemlos, weil Farah genau weiß, dass sie nicht überholen darf. So konnten wir sogar ein Stückchen traben, was meine Schwester natürlich fantastisch fand.
Werbsiepen, 3.4.2015. Um 18:17 Uhr wurde offiziell ein neues Mitglied in den Farah-Reit-Club aufgenommen. Antonia hatte sich durch jahrelange Reiterfahrung und hervorragendes Pferdeverständnis qualifiziert und bestand die Aufnahmeprüfung mit Bravour.
Eine Dreiviertelstunde lang durfte sie sich im Wald der Herausforderung „Farah reiten“ stellen und sie mit Gertentrick und „Allez Terab“ durch die verschiedenen Gangarten lenken. Dabei stellte sie von Anfang an klar, wer das Sagen hatte, indem sie darauf achtete, dass Farah ihren Anweisungen genauestens Folge leitete. Diese nahm die neue Ausbilderin schnell an und genoss die Sicherheit die Antonia ihr bot. Beide beließen es auf ihrem ersten Ausritt bei einem kurzen ruhigen Galopp und konzentrierten sich lieber auf einen eleganten Trab. Mit reichlich Tempowechseln und abruptem Anhalten weckte Antonia Farahs Begeisterung für die langsamere Variante des Ausritts und sicherte sich das Vertrauen der zotteligen Kameradin. Am Ende strahlten beide, eine stolze Reiterin und ein superentspanntes Pony.
Auf einmal hörten wir lautes Brummen im Wald! Erschrocken stupste ich Annabelle an, hatte sie das auch gehört? Ja!
„Komm, Farah, wir gehen im Schritt weiter!“
„Ja aber…wenn das nun ein Bär ist?!“
Hört ihr das??? Dieses Brummen im Wald???
„Ein Bär? Ich glaube eher nicht!“
„Oh, aber falls es ein Bär ist… ich bin bereit zu kämpfen!!! Du brauchst keine Angst zu haben!“
„Danke Farah! Aber ich glaube es klingt mehr nach einer Motorsäge. Erinnerst du dich noch an die komischen Menschen die vorhin durch den Wald liefen?“
„Ja… Schau mal da vorne! Da ist so einer! Was hat er in der Hand? Eine Stange mit einem seltsamen Wedel an der Seite… Er will uns angreifen!! Schnell Annabelle, steig auf und nimm deine Gerte als Lanze, wir werden kämpfen wie die alten Ritter aus deinen Geschichten!! Sieh nur wie er damit herumwedelt! Das ist eine Herausforderung, ganz eindeutig!“
„Ruhig Farah! Sie doch, er will nur dass wir stehen bleiben! Da neben dem Baum steht sein Kollege und klopft einen Keil in den Baum, siehst du?“
„Ein Keil?“
„So einen dreieckigen Klotz, damit der Baum in die richtige Richtung fällt!“
„Wie bitte? Der Baum fää…“
„BAUM FÄÄÄLLLT!“
„Oh oh oh oh… Annabelle! Der Baum! Er kippt um! Was ist das?!“
„Keine Panik Farah! Alles gut! Der Baum ist nur müde!“
Ohhh… Es knackte und knirschte gefährlich als die Äste des Baumes die
Seeeehr stolz und auch ein kleines bisschen müde sind wir wieder zuhause angekommen!!
anderen streiften, dann gab es einen riesigen Rums und der Baum donnerte auf die bebende Erde! Entsetzt ging ich einen Schritt zurück und starrte das Spektakel an, doch Annabelle stand da wie die Ruhe selbst und meinte nur „Alles okay, Farah! Kein Grund zur Aufregung! Komm, wir gehen weiter!“
„Sicher? Na gut, wenn du meinst…“ Zur Sicherheit blieb ich noch eine Weile gespannt wie ein Flitzebogen, doch zum Glück fielen keine weiteren Bäume um. Und als Annabelle dann noch vorschlug ein bisschen grasen zu gehen, war die ganze Aufregung im Nuh vergessen! Graaaas! Mhhhm! Lecker!!
„Ach scho, übrigensch haben wir auf dem Hof Angelika von unscherem Abenteuer ertschält und schie war scher schtoltsch auf unsch!! Mhhmm!“
Könnt ihr euch das vorstellen? Annabelle und ich waren heute ganz allein
Oh eine Matschbank mitten im großen Marscheider Moor!!
im Wald!! Jaa, Svana und ich hatten gerade unseren allmorgendlichen Spaziergang durch das Marscheider Moor beendet, da hörte ich wie jemand meinen Namen rief! Das konnte eigentlich nur Annabelle sein, aber um diese Zeit? Ein bisschen verwundert sahen wir wie sie mit Halfter und Leckerchen in der Hand durch die knöcheltiefe Matsche auf uns zuwaatete.
„Guten Morgen Farah! Komm lass uns eine Runde durch den Wald gehen!“
„Oh, ähm…jetzt?“
„Na klar, oder hast du was vor?“
„Ne, eigentlich nicht… Okay, lass uns gehen!“
Wir patschten zurück zum Hof, wo Annabelle erst einmal mich und auch sich selbst von der dicken Matschschicht befreien musste. Lisa und Felix sahen uns vom Stall aus zu und wären sicherlich gerne mitgegangen!
Soo, jetzt wird erstmal fleißig geputzt! Ich helfe mit, sonst werden wir ja nie fertig!!
Aber dieser Spaziergang sollte nur uns gehören!
Auf dem Weg in den Wald verabschiedete ich mich schnell von meiner Herde und versprach ihnen bald wiederzukommen, dann konzentrierte ich mich ganz und gar auf die Bäume, das Zwitschern der Vögel und Annabelles Worte.
Es war seeeeehr aufregend! Ist euch mal aufgefallen wie viele Geräusche es zwischen den Bäumen und Ästen gibt? So viele Bilder und Eindrücke und rief da nicht in der Ferne ein Pony nach mir? Und dann waren da noch diese seltsamen Menschen m Wald mit einem großen Auto und ganz vielen Maschinen! Was wollten die da nur?
„Das sind Baumfäller, Farah“, erklärte Annabelle mir.
„Baumfäller? Das hört sich ziemlich gefährlich an! Lass uns lieber schnell weitergehen!“
Das Schöne daran, dass wir allein unterwegs waren, war definitiv, dass wir unser Tempo selbst bestimmen konnten. Mal trabten wir ganz gemütlich die Galoppstrecke entlang, dann wieder kletterten wir durch das Unterholz oder rannten ein Stück im wilden Galopp!
Einmal haben wir sogar Trabrennen gespielt! Trab deshalb, damit
Sooo Annabelle, Wer zuerst bei dem Baum dort hinten ist gewinnt
Annabelle auch eine kleine Chance gegen mich hatte. Nachdem wir eine Weile auf der Galoppstrecke gestanden hatten und ich geduldig gewartet hatte bis Annabelle mir die Zügel zusammengeknotet hatte, gab sie den Startschuss „Allez Terab!“ und ließ mich ganz ohne mich festzuhalten antraben!
Eins muss ich ihr lassen, langsam ist sie nicht! Aber ich bin auch ziemlich schnell und konnte gut mithalten im Slalomlauf um die Pfützen herum! Japsend hielten wir am Ende der Galoppstrecke an. Wer von uns beiden hatte denn jetzt gewonnen? Meine Nase war weiter vorne als Annabelles, dafür waren ihre Füße ein Stückchen weiter gekommen als meine…