„Allez Terab!“ Ich guckte das stehende Mädchen auf meinem Rücken
Wer tut es nicht. Ab und an mal im Stehen reiten
gedanklich an und beschloss dann dass sie lebensmüde sein musste. Und ich will ganz bestimmt nicht, dass sie runterfliegt und die nächsten drei Monate nicht mehr reiten kommt! Also ging ich im Schritt weiter!
„Naaa gut! Du hast gewonnen, mein vernünftiges Pony du!“ Stolz hielt ich an und wartete, dass Annabelle wieder saß. Sie kniete sich hin. „Allez Terab!“
Ich dachte einen Moment nach, dann trabte ich an. Jubelnd breitete sie auf meinem Rücken die Arme aus und wir genossen die verdutzten Blicke
Da guckt der Billy aber!! Was macht seine Reiterin denn da??!
der anderen als wir zirkusreif an ihnen vorbeipreschten!
Aber alleine im Zirkus auftreten ist langweilig! Zum Glück war meine kleine Freundin Thea dabei. Die ist mit ihren drei Jahren fast noch durchgeknallter als Annabelle! Ohne Rücksicht auf Verluste turnte sie auf Billy herum! Wenn Annabelle auf ihrem Pony stehen konnte, konnte sie das auch! Annabelles 12 Jahre Reiterfahrung hin oder her, Annabelle ritt kniend, also kniete Thea auch. Annabelle stand auf? Natürlich ritt Thea auch stehend.
Auch wenn ihre Mutter sie an den Händen festhielt stieg Thea manchmal ganz elegant ab. Doch von Billy fiel sie ja glücklicherweise nicht so tief. Und kaum saß sie wieder auf Billy, ging das strahlende Gehampel weiter! Also für mich ist sie ab jetzt ganz klar Theabella!
Ich kam gemütlich zum Tor getrottet. Neben mir lief Antonia. Klasse!, dachte ich mir. Das wird ein toller Ausritt!!Kaum stand ich draußen kam Annabelle begeistert auf mich zugestürmt. Leicht verwundert sah ich zwischen den beiden hin und her. Wollten sie jetzt etwa gemeinsam auf mir reiten?
Aber es kam wie so oft ganz anders als erwartet. Ein Mädchen mit ihrem Vater stand etwas abseits und wartete unsere Begrüßung ab. Dann begrüßten sie mich und Angelika eröffnete mir, dass sie mich heute reiten dürfe. Während Antonia nebenherginge.
Nach dieser sehr entspannten Runde wurden die Zügel getauscht. Mit
Jippieeh!! Platzarbeit!!!
Annabelle auf meinem Rücken ging es los zur Pilz-links-Runde. Wo dieses verrückte Huhn nicht anders konnte als ein paar Halsbrecherische Kunststückchen zu üben.
Erst ritt sie eine Weile rückwärts. Dann seitlich und im Damensitz. Schließlich legte sie sich einfach auf mich drauf. Mich störte das wenig, denn ich wusste ja das ich im Schritt hinter den anderen hergehen sollte.
„Na? Gemütlich da oben?“
„Ja sehr! Es schaukelt so schön! Ich muss glatt aufpassen dass ich nicht einschlafe!!!“
„Heeee! Wenn du schlafen darfst will ich aber auch schlafen!!“ Mit gesenktem Kopf durchstöberte ich das gras nach einem gemütlichen Plätzchen. Da kam Leben in meine Reiterin. Sie setzte sich wieder hin und nahm die Zügel auf.
„Ähm… lass uns vielleicht doch lieber weitergehen! Schlafen üben wir mal auf dem Platz!“
Oh ja! Der Platz…. vor einiger Zeit waren wir mit ein paar Ponys auf dem Platz! Zum Reiten hatte ich irgendwie keine Lust, aber das störte Annabelle zum Glück wenig. Sie übte mit mir etwas das sie ‚Kompliment‘ nannte! Und das bedeutete, dass ich ganz viel zu futtern bekam!! Ich musste bloß mein eines Bein einknicken und dann langsam nach hinten gehen bis ich mit einem Bein auf dem Boden kniete und das andere nach vorne ausstreckte.
Kaum verharrte ich in dieser Position, da regnete es schon Lob und
Gute Aussicht hier oben!!
Leckerlies!!! Da soll nochmal einer sagen Platzarbeit macht keinen Spaß!!!
Nun ja, wir schlossen jedenfalls zu den anderen auf und galoppierten und trabten sehr entspannt hinter der wilden Ponymeute her.
Es folgte eine lange Schrittstrecke. Ganz normal zu reiten ist natürlich langweilig! Ich spürte wie Annabelle auf meinem Rücken herumhampelte. Sie ritt dann mal auf Knien!
„Oh! Das muss ich fotografieren!“ Eh ich mich versah stand ich mit meiner durchgeknallten Reiterin wieder einmal im Rampenlicht.
„Na wenn dann aber richtig!“ grinste die verschmitzt und stellte sich hin. Ich sah unserem Fotografen an, dass er nicht wusste ob er das jetzt lustig finden sollte oder schon mal einen Krankenwagen rufen sollte. Ich ging gleichmäßig und ruhig weiter und verzichtete sogar darauf im Wald nach Gras zu suchen!! Obwohl es immer viel besser schmeckt wenn ich erst den Abhang hochklettere!
„Danke Farah! Gut gemacht!!“
Stolz hob ich meine Nase ein Stückchen. Da kam die Galoppstrecke!! Schon saß Annabelle wieder und wir preschten wie der Wind durch den Wald!!
Wisst ihr was? Um Annabelle zu verwirren werde ich heute mal ganz hundertprozentig brav sein!! Die wird Augen machen!!!! Aber psssst!!!
Sommerferien! Das heißt für Kinder und Ponys ganz viel Spaß und Aktion! Und für Farah hieß das: Buckelpiste!! Jippiejaaa!!! Die längste Galoppstrecke überhaupt!
„Schau Annabelle! Ich stelle mich ganz brav hinten an! Und … oh, die anderen galoppieren schon! Ich will auuuuch!!!“
„Klar Farah, du darfst gleich! Eine Sekunde noch!“
„Okay okay, ist die eine Sekunde vorbei!?“ Ordnungsgemäß gingen wir Schritt und hielten noch einmal kurz an.
„Ja Farah, auf geht’s!!“ Erst im Trab um die Kurve, dann im Galopp und mit ausgebreiteten Armen die Galoppstrecke empor!! Wir flogen in einem Affenzahn durch den Wald. Da kam Svana vor uns in Sicht. Farah wurde langsamer und fiel schließlich hinter Svana in den Trab.
„Gut gemacht Farinchen! Das ist ja klasse!!“
„Du hast doch selbst gesagt, dass ich nicht überholen soll?“
„Natürlich, aber wer weiß was für Flausen in deinem Kopf herumspuken? Es soll ja vorgekommen sein, dass du lieber deinen eigenen Vorstellungen folgen wolltest!“
„Ich? Ach, ich doch nicht!“
„Guten Tag, hier Fury-Reparaturservice. Was können wir für sie tun?“
Bevor ich etwas erwidern konnte, kam Fury geführt an. Sein Pad warverrutscht. Also stieg ich ab und gurtete das kleine Pony neu. Nachdem die Reiterin wieder saß stellte ich Farah mitten auch die Galoppstrecke und stieg wieder auf. Und Farah? Vorbildlich stand sie da, rührte sich nicht vom Fleck und wartete geduldig bis ich meine Arme und Beine wieder auf ihren Rücken sortiert hatte. Was für ein fantastisches Pony!!!
Nach einigen Streckenabschnitten im Galopp wiederholten wir
Hektik? Ach wozu denn?! Das ist immer so unentspannt! Wir haben doch Urlaub!!!!!
diese Prozedur. Farah war trotz der Abwesenheit ihrer Herde – die war mittlerweile weit voraus – und nur in Begleitung von Svana und Fury die Ruhe selbst und widmete sich genüsslich dem Gras während ich Fury reparierte. Als wir die anderen wiederfanden stieg ich zum ungefähr zweihunderttausendsten Mal ab und legte schließlich die Decke von Filous Pad auf Fury. Nun endlich hielt der Gurt und wir konnten uns der letzten Galoppstrecke widmen.
Ein kleines bisschen stolz sah ich mit an, dass die anderen Ponys herumliefen, als ihre Reiterinnen wieder aufsteigen wollten. Während Farah gut erzogen wartete bis ich alle Kinder auf die Ponys verfrachtet hatte und schließlich selbst wieder aufsteigen konnte. Mittlerweile hatte ich meine Technik soweit verbessert, dass ich in einem Schwung Arme und Beine an ihren rechtmäßigen Platz befördert bekam. Farah wartete trotzdem noch eine ganze Weile, bis ich sie fertig gelobt hatte und das Kommando zum Weitergehen gab!
Als ich heute auf den Hof kam erwartete eine riesige Menge aufgeregter Kinder mich. Mitten drin eine ratlose Angelika. Da half auch kein Rechnen, 14 Kinder für 10 Ponys ist ein bisschen viel. Beziehungsweise 11 Ponys, denn Farah sollte sich heute ihr Brot verdienen. Und da Farah groß und stark ist haben wir kurzerhand entschieden zwei Kinder auf ihren Rücken zu setzen. Die beiden Jungs hatten anfangs großen Respekt vor diesem Riesenpony, aber zu zweit konnten sie natürlich viel mutiger sein und putzten schon bald fröhlich drauflos. rundherum um Farah turnten auch weitere Kinder samt Eltern und wollten gerne putzen helfen. Farah – die Ruhe selbst – hatte ihrerseits großen Spaß an der Abwechslung und den vielen kleinen Händen die sie hervorragend von allen Seiten gleichzeitig kraulen und kuscheln konnten.
Ach wozu denn die Aufregung? Ich bin doch groß und stark!!!
Schon ritten wir los, die Jungs kletterten auf die Aufsteighilfe und von da aus auf Farahs Rücken. Ich tat einfach mal so als sei es ganz normal zwei Reiter zu tragen und Farah akzeptierte das dann. Zu zweit auf einem Pony ist es natürlich noch viel lustiger als alleine. Und so lachten, redeten und hampelten die beiden wie die Weltmeister. Was Farah aber nicht im Geringsten aus der Ruhe brachte.
Abwechselnd wollten die großen Reiter nun auch traben. Am Anfang der Galoppstrecken saßen sie noch mit einem etwas unsicheren Grinsen oben und hielten sich gut am Pad fest, am Ende der Galoppstrecke wurde aus dem zaghaften ein begeistertes Strahlen!
Mal lief sie besser, mal lief sie schlechter, mal guckte sie mich bloß aus dem Stall an wenn ich sie rief, ganz nach dem Motto: „Bewegen? Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“ Das konnte so auf die Dauer nicht weitergehen, also ließen wir die Osteopatin kommen. Sie renkte Farah mit lautem Knacken wieder ein. Es hatten sich vier Lendenwirbel verschoben.
Die Behandlung war rasch vorbei und wir hatten zwei Sachen gelernt.
Kuscheln geht immer!!
Wenn Farah lahmt sofort die Osteopatin rufen und ich wollte vorbeugend Dehnübungen mit ihr machen. Yvonne zeigte mir wie ich Farahs Hinterbeine nach vorne ziehen und zur Seite drücken konnte um die Wirbel wieder an Ort und Position zu bringen oder einfach nur Farahs Rücken zu entspannen.
Bereits bei der Vorführung knackte Farahs Rücken, was ich mal als gutes Zeichen gedeutet habe, zumal Farah ganz entspannt da stand. Und wer kennt das nicht. Wenn man sich streckt und der Rücken oder die Arme knacken fühlt man sich gleich viel wohler.
Farah läuft seitdem viel besser und möchte viel mehr und viel schneller rennen. Solange wir das ruhig und kontrolliert angehen ist gegen so ein bisschen Gas ja auch nichts einzuwenden.
Farah geht es tatsächlich besser! Sie lahmt immer noch, läuft aber
Hallo du! Da bist du ja endlich!
immerhin wieder schneller. So liegt der Verdacht nun auf einer Rückenverspannung.
Um Farah trotzdem ein wenig Abwechslung zu bieten, gingen wir heute Morgen ein wenig spazieren. Als ich über den Feldweg geradelt kam stand Farah schon am Weidenzaun und strahlte mir entgegen. Sie wollte unbedingt raus!
Svana, Sweeti und Don fanden es gar nicht lustig, dass ihre Chefin und Freundin einfach so rausdurfte. Sie rannten wie die Bekloppten die Weide hoch und runter und wieherten sich die Seele aus dem Leib. Farah war anfangs aufgeregt und antwortete auf jeden Ruf, doch nach einiger Zeit war ihr das Gras weitaus wichtiger und mit vollem Mund soll man ja nicht wiehern!