Lenken üben bis zum Drehwurm

Wir waren heute auf dem Platz. Anfangs lief Farah auch sehr gut, ließ sich prima lenken und ist auch mitgetrabt, aber nach einigen Runden ging sie zunehmend langsamer und blieb schließlich stehen. Als wolle sie sagen: „Was soll das hier eigentlich?! Wir sind jetzt schon acht Mal an der Pfütze vorbeigekommen, reicht es nicht langsam?!“

Da half auch kein „Beine anlegen“ und  kein „Weiter!“, Farahs Motor war aus. Also haben wir etwas umdisponiert und stattdessen lenken geübt.

Dazu habe ich Farahs Kopf mit dem einen Zügel zur Seite gezogen, der andere Zügel lag derweil an ihrem Hals, um die Forderung zu unterstützen, und mit den Beinen habe ich sie  aufgefordert, sich zu bewegen. Das Bein auf der Seite, zu der sie sich drehen sollte lag etwas weiter hinten am Bach, um sie in der Bewegung nicht zu behindern. Das hat sehr gut geklappt. Ich konnte sie zwischendurch sogar überreden nochmal ein Stück geradeaus zu gehen!

Als Farah und ich beide einen Drehwurm hatten und Farah noch einen kleinen Schritt vorwärts gegangen ist, bin ich abgestiegen und ein bisschen mit ihr gelaufen. Sie ist mir völlig ohne Strick oder Zügel gefolgt und hat sich genau meiner Geschwindigkeit und Richtung angepasst!

Außerdem haben wir noch ein bisschen ‚innen kreuzen‘ geübt. Auch ohne Zügel! Da Farah mir ja ohnehin nachlief, musste ich nur auf ihre Hinterhand zugehen, damit sie erkannte, was ich von ihr wollte. Um mir weiter folgen zu können, kreuzte Farah ihre Hinterbeine sehr schön nach innen!!

Schließlich haben wir noch ein bisschen gekuschelt und Farah hat mit ihrer rauen aber zärtlichen Zunge mein ganzes Gesicht abgeschleckt!

Hauptsache wild

Nachdem wir gestern der Pilz-links-Runde einen Teil des angsteinflößenden Charakters genommen haben, haben wir heute noch mal ein paar Grundlagen verfestigt. Bei der ersten Galoppstrecke blieb Farah ganz brav stehen und ist sehr ruhig getrabt und galoppiert. Daraufhin bin ich abgestiegen um ein Stück mit ihr zu laufen.

Farah hat das etwas missverstanden und dachte, alle Regeln seien aufgehoben. Als ich mit ihr an der Hand angaloppiert bin, begann sie herumzubuckeln und zu springen wie ein wildes Kaninchen. Frei nach dem Motto: „Alles ist gut, solange du wild bist.“

Ich habe sie sofort rückwärts gerichtet und ihr erklärt, dass sie auch an der Hand ordentlich zu laufen hat. Um das zu üben sind wir weiter zu Fuß gegangen. Farah lief nun sehr schön eine Armlänge neben mir, ohne dass ich sie festhalten musste, genau auf Schulterhöhe! Ich konnte meinen Schritt ganz nach Belieben verlangsamen oder beschleunigen, dieses wunderbare Pony blieb genau neben mir! Wenn ich sie mit „Allez Terab“ zum antraben aufgefordert habe, wechselte sie in die gewünschte Gangart und passte sich trabend meinem Tempo an!

Mit dem Gertentrick ließ sie sich jederzeit problemlos anhalten! Sogar vor der nächsten Galoppstrecke, als die Ponys losrannten! Wir haben ganz fleißig Tempowechsel zwischen stehen, schritt gehen, langsam traben, schneller traben und galoppieren geübt. Ohne Farah festzuhalten bin ich mal schneller, mal langsamer gelaufen. Farah hat ganz toll auf meine Anweisungen reagiert!

Monstersuche auf dem Platz

Heute hatten wir unsere erste „Platzstunde“. Es war dunkel und generell war der Platz ziemlich furchteinflößend! Wer wusste schließlich, ob sich nicht in der einen Ecke doch ein Monster versteckte? Das nur darauf wartete, dass eine arme kleine schutzlose Farah vorbeispazierte, um die Nichtsahnende dann mit Haut und Haar zu verschlingen?!

Zur Sicherheit hat Farah jede Ecke gründlich untersucht und auch die Sprünge halb auseinandergebaut, um dahinter zu schauen. Gefunden hat sie nichts, weshalb wir dann ganz entspannt weitergehen könnten. Doch gerade, als wir schon anfingen uns zu langweilen, bei dem stupiden ‚im Kreis herumgehen‘, wurden die anderen Pferde von den Paddocks geholt. In wildem Galopp stürmten sie auf den Stall zu! Von dieser Begeisterung angesteckt begann auch Farah loszurennen. Sie ließ sich aber auch problemlos wieder durchparieren!

Nun konnten wir endlich mit dem Unterricht anfangen. Farah lief anfangs sehr gut mit, wir sind sogar auf dem Zirkel getrabt! Auch die verschiedenen Trabgeschwindigkeiten beherrscht sie mittlerweile im Schlaf. Sobald ich meine Gerte an ihre Schulter lege verlangsamt sie ihre Geschwindigkeit!

Nach einiger Zeit ließ Farahs Lust merklich nach. Glücklicherweise war Yvonne mit auf dem Platz und gab mir Tipps, wie ich mit Farah noch ein bisschen Lenken und vorwärtsgehen üben konnte. Wenn Farah stehen bleibt und nicht mehr vorwärts gehen möchte, kann ich sie durch Lenkbewegungen aus dem Gleichgewicht bringen und sie so motivieren noch ein Stückchen weiter zu gehen. Außerdem weiß ich nun, dass Farah wenn sie ‚ausgeht‘ (also einfach stehen bleibt und nur noch gähnt) über das Gelernte nachdenkt und für heute fertig ist. Vielleicht muss ich aber auch einfach nur ein bisschen Geld einschmeissen, damit sie wieder anspringt!

Farah auf der Pilz-links-Runde

Heute sind wir zum ersten Mal die Pilz-links-Runde mitgeritten. Und das auch noch bei finsterster Nacht! Dafür war Farah wirklich gelassen! Bei der ersten Galoppstrecke war es noch nicht so dunkel und wir sind im ruhigen Galopp und mit ausgestreckten Armen durch den Wald geflogen.

Mit zunehmender Dunkelheit beschleunigte Farah ihren Schritt immer mehr. Sobald ich sie mit der Gerte angehalten habe, blieb sie zwar stehen, signalisierte mir aber auch, dass sie gerne weitergehen wollte. Vielleicht um schneller nach Hause zu kommen. Vielleicht  aber auch, um vor der Dunkelheit davonzulaufen. Wer weiß, vielleicht läuft Farah in vollem Galopp ja schneller als Lichtgeschwindigkeit. Dann würden wir abends losreiten und nachmittags ankommen! Ich möchte es auf alle Fälle mal ausprobieren! Wenn wir mal bei Tag und in einer kleinen Gruppe unterwegs sind und jeder sein Pony unter Kontrolle hat, möchte ich Farah gerne mal so richtig Gas geben lassen!

Bis dahin werden wir weiter an den verschiedenen Trab- und Galoppgeschwindigkeiten feilen. Farah ist heute wunderschön getrabt, wir waren ganz vorne und sie lief genau im richtigen Tempo! Sodass ich wusste, ich könnte sie jederzeit anhalten oder angaloppieren, je nach dem was gerade von Nöten ist.

Farah war sehr aufmerksam und ist daher auch ruhig und langsam galoppiert. Also, für ihre Verhältnisse langsam. Schneller als Svana und Max war sie trotzdem, aber sie hat die ganze Zeit die unbekannte Umgebung beobachtet. Schon spannend, so ein Nachtausritt! Und was da für Geister im Wald herum spuken kann ich nur erahnen! Farah scheint da einen ganz besonderen Draht zu diesen Wesen zu haben. Vielleicht werde ich sie ja auch alle noch kennenlernen. So wie den Geisterreiter, der gerne auf dem Hof und den Wiesen umherwandert!

Zügelloses Training

Wir haben ganz fleißig geübt ein bisschen ruhiger zu laufen. Also bei Galoppstrecken nur Schritt und Trab zu gehen. Und zwar so lange, bis die ganze Übung auch ohne Zügel funktionierte. Ich konnte am Ende mit ausgebreiteten Armen reiten und Farah nur über Gewichtsverlagerung (schneller = nach vorne lehnen; langsamer = nach hinten lehnen; …), Gertentippen und Anweisungen wie „Ho Halt!“ sagen, was ich von ihr wollte. Farah war gelassen und aufmerksam und kam allen Aufforderungen nach!

Angaloppieren klappt auf geraden Strecken schon sehr gut, bei Bergen ist die Koordination noch ein bisschen kompliziert. Naja, wenn ich vier Beine hätte würde ich vermutlich auch durcheinander kommen!

Reiten ohne Gurt

Wir sind heute mal ohne Gurt geritten. Farah war ein bisschen verwundert und hat immer wieder an meinen Beinen geknabbert. Trotzdem ist sie hervorragend gelaufen! Nachdem ich ihr am Anfang der Galoppstrecken erklärt hatte, was ich von ihr erwarte und was sie zu tun hat, erfüllte sie ihre Aufgaben mit Bravour und ließ sich von mir ganz ohne Zügel reiten! Ich konnte die Arme ausbreiten und über den Waldboden fliegen!

Außerdem haben wir angaloppieren geübt. Traben klappt ja mittlerweile perfekt auf Kommando und in der gewünschten Geschwindigkeit, aber mit dem Galoppieren ist das noch ein bisschen schwieriger. Farah muss die Galopphilfen natürlich auch erst noch lernen. Aber es hat heute sehr gut und ruhig geklappt! Und zwar ganz ohne Zügel!

Nach dem Abendessen sind wir wie immer noch ein bisschen grasen gegangen. Farah möchte nun schon viel weiter die Wiese entlanggehen! Anfangs hielten wir uns immer im sicheren Scheunenbereich auf, um auch ja alles mitzubekommen und uns nicht zu weit von der Herde zu entfernen. Seitdem wollte Farah immer ein bisschen weiter gehen. Mittlerweile scheint meine Anwesenheit als Begleitschutz völlig auszureichen.

Heute schaute Farah plötzlich auf, stupste mich mit ihrer Nase an und kuschelte sich in meine Arme! Total süß! Eine gefühlte Ewigkeit standen wir so da, Farah hatte die Augen geschlossen! Sie lehnte ihren starken warmen Körper gegen meinen. Ich weiß, dass ich ihr hundertprozentig vertrauen kann.